VivaKafi – der Treffpunkt für Trauernde
20.08.25

Palliaviva organisiert neu regelmässig Treffen für Angehörige, die einen lieben Menschen in der letzten Lebensphase begleitet haben. Das VivaKafi ist ein offener Raum zum Austausch von Erinnerungen. In Bülach fand die Première statt.
«Ich war mir gar nicht sicher, ob das etwas für mich ist», sagt eine ältere Frau mit einem leichten Schmunzeln beim Abschied. Sie habe befürchtet, es werde ein durchgehend trauriger Nachmittag mit gedrückter Stimmung. «Trotzdem gab ich mir einen Ruck. Ich sagte mir, dass ich ja jederzeit wieder gehen kann, wenn es mir nicht passt.»
Geblieben ist sie – wie einige andere Gäste am VivaKafi von Palliaviva – bis zum Schluss. Das erste Treffen dieser Art fand am Dienstag, 19. August, zwischen 16 und 19 Uhr im Sigristenhaus in Bülach statt. In Bülach ist das VivaKafi eine Kooperation mit der reformierten Kirchgemeinde, die ihr Lokal «Heiliger Bimbam» zur Verfügung stellt.
Mit der Pfarrerin Antje Martin, die beim VivaKafi dabei ist, engagiert sich die reformierte Kirchgemeinde auch personell. Eingebunden ist beim VivaKafi zudem Karin Zwygart vom Rufnetz Zürcher Unterland, einer Organisation von ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern für Sterbende.
Vertrauensvolle Atmosphäre
Beim VivaKafi sind immer auch Mitarbeitende von Palliaviva präsent, die für Fragen und Gespräche da sind. Beim ersten Treffen in Bülach waren es die Pflegefachfrauen Linda Wallner und Ankie van Es aus dem Team Blau von Palliaviva. Ein paar der anwesenden Frauen kannten sie bereits, da deren Partner in der letzten Lebensphase von Palliaviva betreut wurden.
Vom ersten Moment an kamen beim VivaKafi Gespräche in Gang. Einige Personen waren zu zweit gekommen – zwei Nachbarinnen beispielsweise, die beide vor unterschiedlich langer Zeit ihre Männer verloren haben. Andere, insgesamt ein Dutzend, begegneten sich zum ersten Mal. Doch die gemeinsame Erfahrung, einen geliebten Menschen am Lebensende begleitet zu haben, schuf von Anfang an eine vertrauensvolle Atmosphäre.
Das VivaKafi ist ein neues Projekt von Palliaviva, das von der Age-Stiftung unterstützt wird. In Bülach (Region Blau), Winterthur (Region Rot) und Affoltern (Region Gelb) finden in nächster Zeit regelmässig weitere Treffen statt – die Daten und Orte sind hier zu finden. Auch in der Region Grün sind VivaKafis geplant.
In allen Regionen konnte Palliaviva Kooperationen eingehen. «Wir haben festgestellt, dass viele zurückgebliebene Angehörige den Wunsch haben, sich auszutauschen», sagt Palliaviva-Geschäftsleiterin Ilona Schmidt. «Deshalb haben wir dieses Angebot geschaffen.»
Willkommen im VivaKafi sind alle, die sich angesprochen fühlen. Wie lange ein Verlust zurückliegt, ist egal. Das Angebot ist kostenlos und mit keinerlei Verpflichtungen verbunden. Man kann kommen und gehen, wie man möchte.
Schweres und Leichtes hat Platz
«Woher kennen wir uns?», sagt eine Frau, die später dazugekommen ist, zu einer anderen, die bereits länger am Tisch sitzt. «Vom Schwimmen?» Das Rätsel löst sich erst nach einer Stunde, als die beiden bereits einen regen Austausch hatten: Sie kennen sich aus einem Geschäft, in dem eine von ihnen jahrelang gearbeitet hatte. An den Tischen im VivaKafi wird an diesem Nachmittag viel geredet, es werden Erinnerungen ausgetauscht, es fliessen Tränen, und es wird gelacht.
Die Première in Bülach zeigt, dass es Platz hat für alles: für Gespräche über gemeinsame Bekannte, über den Garten, übers Fernsehprogramm – aber auch über den Schmerz, den Verlust und über die Einsamkeit. Auch ganz praktische Tipps, wie sich besonders schwierige Momente des Alleinseins bewältigen lassen, werden ausgetauscht.
Das Palliaviva-Team freut sich auf die kommenden VivaKafi-Treffen in den verschiedenen Regionen, auf neue und bekannte Gesichter. Eine Anmeldung ist möglich, aber nicht zwingend. Wie sich an der Première in Bülach gezeigt hat, kann eine Anmeldung hilfreich sein. «Ich musste mich ziemlich überwinden, um überhaupt zu kommen», sagte eine Teilnehmerin, bevor sie heimkehrte. «Hätte ich mich nicht angemeldet, wäre ich wohl zu Hause geblieben.» Ihr Fazit: «Es wäre schade gewesen. Der Nachmittag hat mir gutgetan.»