Planen für den Notfall

11.08.21 | Sabine Arnold

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Notfallbox

Was macht eigentlich Palliaviva bei den Patientinnen und Patienten zu Hause? Wieso plant man in einem noch guten Allgemeinzustand für Notfälle? Auf Patientinnenbesuch mit Corinne Irniger.

Der Anlass für Corinne Irnigers zweiten Besuchs bei einer Patientin am Zürichsee ist das Besprechen des Notfallplans. Die spezialisierten Pflegenden von Palliaviva erarbeiten nach dem Erstgespräch mit dem kranken Menschen und seinen Angehörigen eine Anordnung. Diese sieht für jedes Symptom, das in einer Krise auftreten könnte, eine medikamentöse oder andere Massnahmen vor. Zum Beispiel:

  • Was tun bei überbordendem Schmerz?
  • Wie reagieren bei Atemnot?
  • Was einnehmen gegen Verstopfung?

Der Hausarzt oder die Konsiliarärztin von Palliaviva prüfen die vorgeschlagenen Notfall-Medikamente, schlagen Änderungen vor und verordnen sie schliesslich.

In eine Notfallbox gepackt, sollten die Mittel bei den Patientinnen und Patienten zu Hause leicht auffindbar und unter Anleitung der Palliaviva-Mitarbeitenden – sie sind rund um die Uhr telefonisch erreichbar – als Sofortmassnahme einnehmbar sein. Falls die Medikamente nicht greifen, fährt die Pflegefachperson, die auf Pikett ist, auch bei der Patientin vorbei.

Spaziergang als Lebensqualität

Bei der Patientin am Zürichsee ist es aber noch nicht soweit. Sie ist noch selbstständig, so dass Palliaviva im Hintergrund bleiben kann. Regelmässige Symptomkontrollen sind noch nicht angezeigt. Dennoch ist ein sporadischer Austausch über den Allgemeinzustand dieser Frau sinnvoll, die ein Lungenkarzinom hat und gleichzeitig an einer chronischen Erkrankung der Atemwege leidet.

«Nehmen Sie das Morphium wieder mit», sagt die Patientin. Sie will das Schmerzmittel partout nicht zu Hause haben. Noch geht es ihr einigermassen gut. Sie lebt alleine in einer Dreizimmer-Wohnung im Parterre, von der aus sie auch mit Hilfe eines Rollators noch spazieren gehen könnte. Der tägliche Gang an die frische Luft macht ihr Leben lebenswert, wie sie sagt. Auch wenn sie heute bereits relativ schwach ist und mit Gewichtsverlust zu kämpfen hat.

Die Patientin ist gut informiert. Sie möchte das Morphium auch aus dem Grund nicht nehmen, weil es als Nebenwirkung oft zu Verstopfung führt. Probleme mit der Verdauung – Verstopfung oder Durchfall – sind Symptome, unter denen viele schwerkranke Menschen leiden. Weil einige Schmerzmittel dazu führen oder sie nicht mehr so viel essen mögen.

Ausserdem macht es der Patientin wohl zu schaffen, dass Morphium schon sehr nach Lebensende klingt. Wie sie später im Gespräch sagt, weiss sie, dass dieses Mittel auch bei Atemnot helfen kann. In ihrer allerletzten Lebensphase würde sie es deshalb akzeptieren. «Denn ersticken will ja schliesslich niemand.»

Wo sterben?

Palliativpflegefachfrauen wie Corinne Irniger besprechen jedes körperliche, psychische und auch soziale Problem ihres Gegenüber mit grosser Sorgfalt und mit Interesse. Schliesslich können die Schwierigkeiten, mit denen ein unheilbar kranker Mensch zu kämpfen hat, verschieden gelagert sein.

Schliesslich geht es im Gespräch der beiden um den Ort, an dem die Patientin sterben möchte. Für die Alleinstehende ist klar, dass sie dafür ins nahe Pflegeheim eintreten wird. Die Palliativpflegefachfrau rät der Patientin, sich keine Zwischenlösung zum Beispiel in Form einer Alterswohnung zu suchen, weil ihr diese nicht viel mehr Komfort als in ihrer heutigen Wohnung bieten würde. Die lokale Spitex könnte sie auch hier pflegen, bis ein Übertritt in ein Alters- und Pflegeheim nötig würde. «Die Phase, in der sie nicht mehr selbstständig sind, wird nicht lange dauern», sagt sie.

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