Palliative Care ist Teamwork

06.01.22 | Sabine Arnold

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Teambild Palliaviva

Als spezialisiertes Palliative-Care Team arbeitet Palliaviva täglich mit Fachpersonen aus anderen Organisationen oder Berufen zusammen.

Nur mit einer guten Kooperation über die Schnittstellen hinweg, können wir unseren Patientinnen und Patienten eine optimale Versorgungsqualität garantieren.

In der Palliative Care fallen häufig zwei Schlagworte: Interdisziplinarität und Interprofessionalität. Ersteres meint, dass wir mit Fachpersonen aus anderen medizinischen Disziplinen zusammenarbeiten, zum Beispiel der Onkologie, Pneumologie, Kardiologie oder Neurologie, den Hausärztinnen und Hausärzten und so weiter. Interprofessionalität heisst, dass wir auch mit ganz anderen Berufen zu tun haben: mit Theologinnen und Theologen, Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Psychologinnen und Psychologen.

In unserer Social-Media-Kampagne #FragedesMonats, mit der wir die Grundbegriffe der Palliative Care vermitteln und über Vorurteile aufklären wollen, lassen wir seit Neustem externe Expertinnen und Experten zu Wort kommen.

Die Checkliste für den Austritt

Im September 2021 gab Markus Feuz, Pflegefachmann im Kompetenzzentrum Palliative Care des Universitätsspitals Zürich, Auskunft zur Frage, was es für einen Austritt nach Hause braucht. Sein Team müsse in diesem Fall Einiges abklären, zum Beispiel:

  • ist die Wohnung zugänglich für eine vielleicht gehbehinderte Person?
  • ist ein Pflegebett nötig?
  • können Angehörige die Pflege und Betreuung zu Hause übernehmen?
  • ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung nötig und gewährleistet?
  • macht die Hausärztin/der Hausarzt Hausbesuche?
  • muss die Spitex für Grundpflege und Medikamentenabgabe involviert werden?
  • braucht es ein spezialisiertes ambulantes Palliative-Care-Team?

Angehörigen rät er auch mal, einen Betreuungs-Plan zu erstellen für eine Woche, mit jeweils drei Schichten pro Tag.

Notwendig sei auch ein medizinischer Notfallplan, in dem festgehalten ist, wie im Falle eines epileptischen Anfalls oder von starken Schmerzen reagiert werden soll. Ausserdem gelte es, ein tragfähiges Netz für den Support aufzubauen.

Hand in Hand

Viele schwerkranke Menschen, die zu Hause leben, werden sowohl von der lokalen Spitex wie auch von einem spezialisierten Palliative-Care-Team betreut. Was bringt ein Team wie Palliaviva eigentlich der Spitex, haben wir Corina Hohl, Spitex-Pflegende im Embrachertal, gefragt.

Es vermittle ihr Sicherheit, wenn Palliaviva auch in die Betreuung eines Patienten involviert sei, sagt die diplomierte Pflegefachfrau . Sie sei froh, jederzeit Rücksprache mit den Kolleginnen von Palliaviva nehmen zu können, wenn es um Medikamente gehe oder anderes. «Ich werde immer kompetent beraten, und im Notfall kommt sogar jemand vorbei.» Zusammen könnten sie den Patientinnen und Patienten eine bessere Pflegequalität bieten als allein.

Es geht darum, was den Menschen auf der Seele liegt, und nur wenn gewünscht, um den Glauben.» Esther Stampfer, Palliativ-Seelsorgerin, Küsnacht

Auch die Seelsorgerinnen und Seelsorger sind seit einiger Zeit ambulant unterwegs. Es gibt im Kanton Zürich eine Seelsorge-Hotline für Palliativ-Patientinnen und -Patienten.

Esther Stampfer, Seelsorgerin in Küsnacht, sagt, dass sie schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen mit einem offenen Ohr und viel Zeit unterstütze. Die Seelsorgenden seien da, hörten sich Sorgen und Ängste an. «Wir stellen das Gegenüber als Mensch ins Zentrum. Es geht darum, was den Menschen auf der Seele liegt, und nur wenn gewünscht, um den Glauben.»

Freiwillige als wichtige Glieder in der Kette

Menschen, die freiwillig schwerkranke und sterbende Menschen begleiten, sind ganz wichtig im Betreuungsnetz, zum Beispiel die Damen von wabe knonaueramt (Wachen und Begleiten). Wabe-Einsatzleiterin Luzia Zaugg sagt: «Freiwillige bringen im Gegensatz zu den Fachpersonen ganz viel Zeit mit, um einfach da zu sein. Das ist etwas vom Wertvollsten, vor allem in der heutigen Zeit.»


Gefragt, weshalb sie sich als Freiwillige einsetze, sagt Regula Müller: «Ich durfte mich beim Besuchsdienst bereits einmal von einer Sterbenden verabschieden. Dieser tiefe Moment hat Spuren hinterlassen.» Nach einer fundierten Ausbildung bei wabe kommt sie nun abends als Freiwillige auf der Palliativstation in Affoltern am Albis zum Einsatz und bei den Menschen zu Hause, zum Teil auch in der Nacht. «Ich weiss vorher nie, was mich erwartet. Manchmal sitze ich nur still da, massiere jemandem die Füsse oder höre mir die Lebensgeschichte eines Patienten oder einer Patientin an.

Meine Einsätze sind in der Regel sehr beglückend.» Regula Müller, Freiwillige bei wabe knonaueramt

Als Freiwillige bei wabe knonaueramt hat Susan Isoz gelernt, jeden Tag zu leben und zu machen, was ihr Freude bereitet. Als Freiwillige leistet sie häufig Nachtwachen. Einer ihrer wichtigsten Grundsätze ist, niemandem zu nahe zu kommen, der das nicht will. Auch wenn eine Person nicht sprechen könne oder wolle, nähere sie sich ihr vorsichtig. «Manchmal wird mir dann plötzlich eine Hand entgegengestreckt. Andere akzeptieren mich nur widerwillig, damit ihre Frau oder ihr Mann schlafen kann.»

Sie erzählt von einem berührenden Erlebnis, in dem sie beim letzten Atemzug eines Mannes dabei war (ab Minute 2:19):

Manchmal kann es für einen demenzkranken Menschen besser sein, in einer demenzspezifischen Institution betreut zu werden.» Roland Kunz, Palliativmediziner

Ambulante spezialisierte Palliative Care, wie sie Palliaviva anbietet, habe einen wichtigen Stellenwert in der Betreuung von Menschen mit einer Demenz, sagt Roland Kunz. Der Geriater und Palliativpionier erklärt: «Anders als etwa bei Krebspatienten ist im Fall von Demenz weniger spezifisches Fachwissen gefragt, vielmehr brauchen die Angehörigen Unterstützung, zum Beispiel wenn es um die Entscheidungsfindung geht.» Diese beziehe sich nicht nur auf medizinische Fragen, sondern auch auf die Betreuungssituation. «Manchmal kann es für einen demenzkranken Menschen besser sein, in einer demenzspezifischen Institution betreut zu werden.»

 

«Ist ein Mensch gestorben, muss man ihn nicht sofort loswerden. Für Angehörige ist wichtig, in Ruhe Abschied nehmen zu können. Es gibt keinen Grund zur Eile.» Michael Müller, Bestatter Stadt Zürich

Stirbt jemand zu Hause, sind die pflegenden Angehörigen in einer Ausnahmesituation. Auch wenn der Tod erwartet wurde, wissen die wenigsten einfach so, was danach zu tun ist – abgesehen von der emotionale Überforderung. Palliaviva gibt auf Wunsch die Anleitung «Was ist zu tun im Todesfall?» ab.

Für Fragen rund um die Bestattung und das Zurechtmachen der verstorbenen Person durften wir kürzlich eine Bestatterin und einen Bestatter der Stadt Zürich löchern.

Wie lange kann man einen verstorbenen Menschen zu Hause behalten? Wichtig findet Michael Müller vor allem, dass Angehörige noch in Ruhe Abschied nehmen können «Es gibt keinen Grund zur Eile.» Sterbe jemand in der Nacht, genüge es völlig, das Bestattungsamt am nächsten Tag zu informieren. «Es gibt keine Regel, wie lange man jemanden zu Hause behalten kann. In der Regel holen wir die Verstorbenen nach ein bis zwei Tagen. Die Körper beginnen ja auch, sich zu verändern. Dann möchte man vermutlich auch mal abschliessen.»

Auch Michael Müllers Kollegin Celina Schneider betont, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, wenn jemand gestorben ist.

Angehörige dürfen einer verstorbenen Person Mund und Augen schliessen, müssen aber nicht. Damit der Mund geschlossen bleibt, können sie das Kinn mit einer Kinnstütze oder einem gerollten Handtuch unterlegen. «Sicher wichtig ist, im Genitalbereich eine saugfähige Unterlage darunter zu legen. Falls Flüssigkeiten ausfliessen, werden sie so aufgesogen.»

Wenn sich Hinterbliebene überfordert fühlen beim Waschen und Ankleiden dürfen sie die Spitex oder auch die Bestattungsteams um Hilfe bitten.

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