Herzblut, Akkordeonklänge, Erinnerungen

17.04.19 | Sabine Arnold

Wie feiert ein spezialisiertes Palliative-Care-Team Geburtstag? Rauschend, mit seinen Partnern, ehemaligen und aktuellen Mitarbeiterinnen, Gründerinnen und Gründern, Verbündeten und Fans. Und mit der hinreissenden Liedermacherin und Kabarettistin Olga Tucek.

In der Vorbereitung haben wir uns schon Gedanken gemacht: Dürfen wir als Organisation, die auf Spenden angewiesen ist, zum Feiern überhaupt Geld ausgeben? Ja, wir müssen sogar, beschloss unser Stiftungsrat. Denn wir wollen uns bei all jenen bedanken, die täglich dazu beitragen, dass wir unsere Aufgabe gut erfüllen können. Bei Partnerorganisationen wie zum Beispiel lokalen Spitex-Teams, bei unseren Mitarbeitenden, unseren Gründerinnen, unseren grosszügigen Spenderinnen und Spendern, Zuweisern, Verbündeten, Fans und auch ehemaligen Angehörigen, die ihre Geschichte in unserem Blog erzählt haben.

Eine weitere Frage, die uns beschäftigt hat, war: Dürfen wir ein fröhliches Fest feiern, lachen und geniessen, angesichts all der schweren Situationen, mit denen wir als Palliativteam täglich konfrontiert sind, all dem Leid, der Trauer, dem Sterben und Tod. Auch diese Antwort war einfach: Ja, erst recht deswegen dürfen wir! Denn wer in seinem Job täglich vor Augen geführt bekommt, was am Schluss zählt, weiss: Die schönen, ausgelassenen Momente sind wichtig, die Begegnungen mit lieben Menschen, das Lachen. Wir lernen in unserem Beruf, den Moment zu geniessen. Denn wir versuchen täglich, die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten möglichst hoch zu halten, damit sie auch noch Glücksmomente erleben können.

Zum Schluss sang Olga Tucek ein Lied, das sie eigens für uns geschrieben hatte. Es heisst «Ihr seid da». Wir sind immer noch gerührt.

Den künstlerischen Act, den wir für unsere Party angefragt hatten, entpuppte sich als wahrer Glücksgriff. Liedermacherin und Kabarettistin Olga Tucek gelang es perfekt, den Abend des 13. Aprils 2019 musikalisch genau auf uns zuzuschneiden: Sie sang traurige, schöne, mitreissende Lieder, begleitet von ihren Akkordeon. Sie schnitt das Programm auf uns zu, indem sie ein Lied zum Beispiel unseren Dienstfahrzeugen widmete, die – das wissen natürlich nur Eingeweihte – alle einen Namen und demzufolge einen spezifischen Charakter tragen. Tucek sang über die feurige Arancia, die wilde Hilde, aber auch über Heinz-Horst, den Macho unter unseren Autos. Tucek sang über das Leben, das Vergehen, die Erinnerung. Zum Schluss sang sie ein Lied, das sie eigens für uns geschrieben hatte. Es heisst «Ihr seid da». Wir sind immer noch gerührt.

Im offiziellen Programm, durch das Jung-Journalistin Ranja Kamal von Radio SRF 3 führte, kam auch Paula Bayard zu Wort, die ihren Mann vier Jahre lang im Kampf gegen den Krebs unterstützt, und unser Kollege Olaf Schulz, der das Paar in den letzten Monaten dabei begleitet hatte. Eindrücklich, wie offen die Witwe diese aufreibende Aufgabe schilderte. Sie sei extrem dankbar über die Unterstützung durch Palliaviva gewesen und hätte diese Hilfe gerne schon früher gehabt, sagte sie.

«Mit dem Rucksack der zum Teil jahrelangen Erlebnisse und Erfahrungen entstand bei den Anwesenden am 30-Jahre-Jubiläum ein Gefühl der dankbaren Erinnerung an das unendlich Viele, das sie geben durften wie auch an das Viele, das sie erhielten. Es waren keine Worte nötig – alle wussten davon.» Heinrich Gattiker, ehemaliger Stiftungsratspräsident

Das Bankettteam der Rüsterei umsorgte uns kulinarisch mit kleinen Street-Food-Köstlichkeiten. Die Gäste hatten aber auch genug Zeit für Gespräche und Begegnungen. Es war eine ganz besondere Stimmung, die Heinrich Gattiker, Gründungsmitglied, langjähriger Stiftungsratspräsident und Onkologe mit folgenden Worten schilderte: «Mit dem Rucksack der zum Teil jahrelangen Erlebnisse und Erfahrungen entstand bei den Anwesenden am 30-Jahre-Jubiläum ein Gefühl der dankbaren Erinnerung an das unendlich Viele, das sie geben durften wie auch an das Viele, das sie erhielten. Es waren keine Worte nötig – alle wussten davon.»

Unser aktuelle Stiftungsratspräsident Urs Huber, ebenfalls Onkologe, begründete sein eigenes, langjähriges Engagement – er präsidiert den Stiftungsrat bereits seit 15 Jahren – schliesslich folgendermassen : «Die Zugehörigkeit zu solch einer Organisation hat ausserordentliches Suchtpotential, denn das reichlich fliessende Herzblut überzeugt und festigt, schweisst zusammen.» Dieser Zusammenhalt war an diesem Fest spürbar.

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