Ein ganz besonderes Familienfest

08.09.21 | Sabine Arnold

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Hans Hochuli und seine Frau Monika am Familienfest (Bild: zVg).

Die Wunschambulanz ist eine gemeinnützige Organisation, die schwerkranken und sterbenden Menschen einen letzten Wunsch erfüllt. Kürzlich durfte ein Palliaviva-Patient mit dem Wünsche-Wagen fahren.

Noch einmal im Garten grillieren. Noch einmal in die Ferien fahren. Noch einmal an einem Familienfest teilnehmen. Hans Hochuli schmiedet noch viele Pläne, doch die Gesundheit macht dem 72-jährigen Klotener einen Strich durch die Rechnung. Eine schwere Lungenkrankheit, COPD in fortgeschrittenem Stadium, setzt seinem Bewegungs-Radius Grenzen. «Heute kommen die Atemnot-Attacken unkontrolliert», erzählt er am Telefon. Früher hätten ihn vor allem körperliche Aktivitäten wie schnelles Gehen angestrengt.

Als die Nadja Inderkum, Pflegefachfrau bei Palliaviva, im Gespräch mit den Hochulis merkte, dass das Paar noch grosse Unternehmungslust hegt – sich wegen drohender Komplikationen aber nicht traut, etwas auf eigene Faust zu unternehmen –, schlug sie vor, die Wunschambulanz zu rufen. Die Organisation erfüllt schwerkranken und sterbenden Menschen einen letzten Wunsch.

Die Hochulis wehrten sich zuerst. Es sei noch nicht so weit, meinten sie. Sie wollten niemandem, dem es schlechter geht, den Platz wegnehmen.

Mit dem Wünsche-Wagen in den Thurgau

Selbst Auto zu fahren, hat Hans Hochuli krankheitshalber vor drei Jahren aufgehört. Seine Frau kann wegen eines Augenleidens selbst auch kein Auto mehr lenken. Sie entschieden sich schliesslich deswegen trotzdem, mit der Hilfe der Wunschambulanz an einem Familienfest im Hinterthurgau teilzunehmen.

Am zweitletzten Sonntag im August konnten Hans und Monika Hochuli nun ihre grosse Familie treffen. Auf einem Bauernhof in Münchwilen TG fand die Feier mit rund 65 Personen statt. Monika Hochulis Vater hatte eingeführt, dass sich die Familie einmal im Jahr sieht, «damit man sich nicht immer nur an Beerdigungen trifft». Letztes Jahr fiel der Anlass wegen der Pandemie aus. Dieses Jahr aber gab es auf dem Hof von Monika Hochulis Patensohn wieder ein reichhaltiges Buffet mit Grill, Salaten und Desserts. Geplant war neben dem geselligen Beisammensein auch eine Bauernhof-Olympiade.

Hans Hochuli war froh, dass sein Schwager in einer kurzen Rede allen Anwesenden erklärte, weshalb die Wunschambulanz und eine Pflegefachfrau ihn begleiteten. So musste er selbst keine unangenehmen Fragen beantworten. Der Schwager rief zu Spenden auf für die Organisation. Es kamen gut 500 Franken zusammen.

Morphium-Ampullen im Gepäck

Palliativ-Pflegefachfrau Nadja Inderkum begleitete Hans Hochuli ebenfalls an den Anlass. Palliaviva hatte ihr erlaubt, diesen unüblichen Auftrag während ihrer Arbeitszeit auszuführen. Im Gepäck waren Notfallmedikamente und der Notfallplan. Ausserdem hatte sie ein paar Ampullen mit Notfallmedikamenten und Material dabei, mit dem sie dem Patienten die Medikamente hätte rasch wirksam unter die Haut spritzen können.

Nötig wurde dies zum Glück nicht; es ging alles gut. Die Fahrt strengte Hans Hochuli dennoch ziemlich an. «Ich wunderte mich, dass es überhaupt ging. Nach der Fahrt war mir total schwindlig», erzählt er. Später seien noch schlimme Atemnotattacken dazu gekommen. «Ich nahm an diesem Tag so viel Morphin-Tropfen ein wie noch nie. Danach war mir übel.» Er musste sich mehrmals hinlegen.

Er habe zwei Tage danach noch «büssen» müssen, habe unter Kopfschmerzen, Übelkeit und grosser Müdigkeit gelitten.

«Es war schön, noch einmal mit der Familie zu essen.»
Hans Hochuli, COPD-Patient

Trotzdem hätten sich die Strapazen gelohnt, sagt Hans Hochuli. Er habe doch mit einigen Verwandten reden können. Er habe es genossen, wieder mit anderen zusammen zu essen, auch wenn für ihn nur eine halbe Bratwurst drin lag.

Für Nadja Inderkum war die ganze Aktion ebenfalls ein Erfolg. Sie konnte einem Patienten einen Wunsch erfüllen. Ausserdem sei die ganze Organisation unkompliziert gewesen. Die Wunschambulanz forderte lediglich eine Transportbescheinigung, ausgestellt von einem Arzt, sowie einen Reanimations-Status «Nein». Sie konnte ausserdem mit einem guten und stabilen Transport-Rollstuhl aushelfen.

Die Pflegefachfrau ist froh, dass sie die Aktion zu diesem Zeitpunkt angestossen hat. Es sei nicht zu früh gewesen, sagt sie. Dieser Ausflug haben bei den Hochulis nämlich auch zur Erkenntnis geführt, dass «ein Tagesausflug inzwischen fast zu viel ist für ihn».

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