Die Toten noch einmal zum Leben erwecken

22.01.20 | Sabine Arnold

Als Palliativteam müssen wir früher oder später von all unseren Patientinnen und Patienten Abschied nehmen. Wir gedenken ihrer regelmässig und einmal im Jahr jeweils im Januar mit einem grossen Feuer im Wald.

Wir möchten die vielen Todesfälle, die wir erleben, die Menschen, die nicht mehr sind, nicht einfach abhaken. Deshalb führt das Palliaviva-Team regelmässig Trauerrituale durch. In Gesprächsrunden werden die Verstorbenen der letzten Wochen mit Anekdoten und Geschichten gewürdigt. Da kann es durchaus auch mal etwas zu lachen geben, zum Beispiel wenn Livia De Toffol erzählt, wie sie mit einem Patienten einen Schnaps trinken musste und er ein Lied dazu sang. Diese Berichte sollen bewusst keine medizinischen oder pflegerischen Fallbesprechungen sein, sondern die Menschen hinter den Diagnosen noch einmal zum Leben erwecken.

Jeweils anfangs des neuen Jahres gehen wir in den nahen Wald, entfachen dort ein grosses Feuer, trinken Glühwein und Punsch und lesen vielleicht ein Gedicht vor oder singen ein Lied. Wir erzählen nochmals Anekdoten. Dieses Mal drehte sich unsere Gespräch darum, dass wenige Patientinnen und Patienten darüber sprechen wollen, was sie nach dem Tod erwartet. Am Schluss übergeben wir die Namen dem Feuer, damit sich die Geschichten in Rauch auflösen und dem Himmel entgegen schweben können.

Danach lassen wir den Abend bei einem gemütlichen Nachtessen ausklingen – nicht im Wald, sondern in unserer Lieblingspizzeria.

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