Palliaviva im Pflegeheim: 24/7 erreichbar

01.07.26

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Die Frau eines schwer kranken Patienten sitzt neben ihm auf dem Bett.

Seit Anfang 2026 ist Palliaviva auch in Pflegeheimen tätig. Wir unterstützen das Personal bei der Betreuung von Bewohnenden, die unheilbar krank sind. Wie das genau funktioniert, sagt Palliaviva-Mitarbeiterin Heike Hess im Interview.

Heike, du bist ein grosser Fan dieses Pilotprojekts, richtig?

Ja, denn Palliaviva war in den vergangenen Jahren punktuell bereits in Pflegeheimen tätig. Dass dies im Kanton Zürich nun im Rahmen des Pilotprojektes zur Regel werden soll, freut mich sehr.

Wo siehst du den Mehrwert für die Pflegeheime?

Ich bin sicher, dass vor allem zwei Gruppen von der neuen Unterstützung durch mobile Organisationen wie Palliaviva profitieren werden. Dazu zählen die Bewohnerinnen und Bewohner, die unter Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder Erbrechen leiden, die nur schwer zu kontrollieren sind. Diesen Menschen können wir das Leben erleichtern, indem wir sie mit unserem Fachwissen und unserer Erfahrung unterstützen.

Wer ist die zweite Gruppe?

Zur zweiten Gruppe gehören jene Kolleginnen und Kollegen in den Pflegeteams der Heime, die noch nicht vertraut sind mit sehr komplexen Situationen. Hier können wir die Zusammenarbeit verstärken und uns mit unseren Kompetenzen und unserer Fachexpertise ergänzen. Das muss sich in den kommenden Monaten zuerst einspielen; wir sind uns noch am Kennenlernen. Und es gibt wohl auch Missverständnisse.

Was meinst du damit?

Palliative Care wird immer noch stark mit der Onkologie verknüpft. Viele Leute meinen, wir bei Palliaviva seien nur für Tumorpatientinnen und -patienten da und ausschliesslich für die End-of-Life-Phase zuständig. Unsere Expertise liegt aber in der palliativen Betreuung von allen Betroffenen, die unter einer lebenslimitierenden Krankheit leiden, für die es keine Heilung gibt. Wir haben bei Palliaviva auch Fachkräfte mit Weiterbildungen speziell für die Begleitung von geriatrischen, also hochaltrigen Menschen. Grundsätzlich gilt: Je früher wir einbezogen werden, desto besser.

Warum ist der Zeitpunkt wichtig?

Wenn wir einen Menschen, sein Umfeld und seine Situation früh kennenlernen, haben wir Zeit, um eine Beziehung und Vertrauen aufzubauen. Die Patientinnen und Patienten sind ja selten unsere alleinigen Ansprechpersonen. Sie werden zu Hause oder im Pflegeheim von Angehörigen und dem Personal begleitet – uns ist es wichtig, auch sie zu kennen und ein gutes Verhältnis zu ihnen zu haben.

Was bietet Palliaviva dem Personal in den Pflegeheimen?

Vor allem anderen: Wir sind kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die 24/7 erreichbar sind. Über unsere Pikettnummer, die wir dem Personal abgeben, ist rund um die Uhr jemand vom Palliaviva-Team erreichbar, um in medizinischen Notfällen Fragen zu beantworten. Unsere Erfahrung ist, dass dies allein bereits sehr viel zur Beruhigung beitragen kann.

Was kann das Palliaviva-Team sonst noch bieten?

In Einzelfällen kam das Palliaviva-Team bereits bisher in Pflegeheimen zum Einsatz, etwa dann, wenn uns Heimärztinnen und Heimärzte – wie etwa Annette Ciurea – beizogen. Das war punktuell zum Beispiel der Fall, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner an komplexen Schmerzen litt und Annette Ciurea eine Schmerzpumpe verordnete. Damit kann man sich innerhalb eines zuvor gesetzten Rahmens selbst Schmerzmittel verabreichen. In Notfällen und zum Auffüllen der Pumpe kamen dann wir ins Heim. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Fällt dir noch ein zweites Beispiel ein?

Ja, ich war einmal bei einer Bewohnerin involviert, die an einer Muskelerkrankung und Schmerzen litt, sich aber gegen Schmerzmittel wehrte. Hier konnte ich in Ergänzung zur Heimärztin Informationen liefern und zur Entspannung der Situation beitragen, indem ich mit der Frau über ihre Lebensqualität sprach.

Gibt es andere Fälle, in denen es Sinn macht, wenn Palliaviva involviert ist?

In meinen Augen sollte man vorausschauend handeln. Ich denke da an einen alten, verwirrten Mann im Heim. «Der leidet ja bloss unter einer demenziellen Erkrankung», könnte man sagen.  Doch was passiert, wenn der Mann wiederholt einen schweren Infekt einfängt – was macht man dann? Entspricht es dann seinem Willen, dass man ihn mit Antibiotika versorgt und ihn wieder aufpäppelt? Oder wäre eher «nur» eine professionelle Symptomkontrolle in seinem Sinn, die beispielsweise Schmerzen und Atemnot lindert?

Wer müsste denn hier vorausschauend agieren?

Alle, die involviert sind – und manchmal sind die Betroffenen am schwierigsten zu überzeugen. Ich hab auch von sehr alten Leuten schon zu hören bekommen: «Was soll die Frage, wie ich sterben will? Ich bin doch erst 92!» Hier ist es wichtig, mit allen Beteiligten Rundtisch-Gespräche zur Entscheidungsfindung zu führen, professionell und gleichzeitig empathisch zu informieren und auf die Bedürfnisse aller einzugehen.

Wie entscheidend ist hier der Aussenblick des Palliaviva-Teams?

Ich würde sagen: Er kann entscheidend sein, wenn das Personal im Heim allein nicht weiterkommt. In diesen Fällen sind wir da, um zu unterstützen und mit Bewohnenden und Angehörigen auch schwierige Gespräche zu führen, etwa zur Frage, ob eine Reanimation erfolgen soll, wenn ein Herz-Kreislaufstillstand eintritt, oder ob das gar nicht dem Wunsch des Menschen entspricht, um den es geht.

Wer bezahlte bisher für Palliaviva-Einsätze in Pflegeheimen, und was ist jetzt anders?

Bisher musste das Pflegeheim für diese Leistung aufkommen. Im Rahmen des Pilotprojektes im Kanton Zürich, das am 1.1.2026 startete, übernimmt der Kanton 50 Prozent der Kosten, die nicht gedeckt sind. Die anderen 50 Prozent bezahlen die Wohnsitzgemeinden der Bewohnenden – sofern diese eine Leistungsvereinbarung mit einem mobilen Dienst wie Palliaviva abgeschlossen haben. Persönlich freue ich mich sehr auf diese verstärkte Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in den Heimen. Wir haben eine hohe Wertschätzung für das, was sie leisten. Ich hoffe, dass das Pilotprojekt zu einem festen Bestandteil der Versorgung wird.

Weitere Informationen auf der Palliaviva-Website: zum Flyer für Zuweisende

Informationen zum Pilotprojekt auf pallnetz.ch für Fachpersonen

 

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